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Sensationsfund mitten in Holzgerlingen

05.07.2013

Sensationsfund mitten in Holzgerlingen

Mitten in Holzgerlingen hat der Archäologe Karl-Heinz Münster einen Sensationsfund gemacht. Auf der Baustelle hinter der Alamannen-Apotheke hat er einen mittelalterlichen Ofen und Keramikscherben zuhauf entdeckt: "Einzigartig für Baden-Württemberg."

Sensationsfund, Ofen und Keramikscherben

Als Karl-Heinz Münster hörte, dass "Im Hof" hinter der Alamannen-Apotheke und dem Gasthof Lamm auf rund 3000 Quadratmetern gebaggert wird, weil hier ein neues Wohnquartier entsteht, ist er als "Archäologe im Ehrenamt" auf den Plan getreten. Ausgesprochen kooperativ verhielt sich dabei das Bauunternehmen Gottlob Rommel aus Stuttgart. Es wurde ein Zeitfenster von vier Tagen vereinbart, in dem die ehrenamtlichen Archäologen den Fund freilegen konnten. So lange blieben die Bagger dem Fundort fern. Am dritten Grabungstag war das Landesdenkmalamt da und hat alles fein säuberlich eingemessen und fotografiert.
Vorsichtig geworden sind die Arbeiter vom Bauunternehmen Gottlob Rommel, als am 12. Juni merkwürdige Wellungen im abgetragenen Boden sichtbar wurden. Daraufhin rückte der Kampfmittelbeseitigungsdienst an, weil nicht auszuschließen war, dass hier noch Bomben aus dem zweiten Weltkrieg liegen. In der Tat wurden im Gelände auch drei ausgebrannte Brandbomben sichergestellt. An der verdächtigen Stelle im hinteren Baufeld des Areals förderte der Bagger allerdings einen archäologischen Fund erster Güte zutage.

Kirche

Das Landesdenkmalamt war wegen Personalmangels nicht in der Lage, eigene Grabungstechniker zur Mitarbeit nach Holzgerlingen abzustellen. "Münster, machen Sie mal", hieß es da. Und weil das Ausgraben des archäologischen Felds mit annähernd sechs auf neun Metern weit über die Kräfte des 82-jährigen Holzgerlingers gegangen wäre, sprangen ihm drei weitere, vom Regierungspräsidium bestellte "ehrenamtliche Archäologen" bei: Martin Hoch (zuständig für den Filderraum) sowie Erwin Beck und Dieter Metzger (zuständig für den Raum Nürtingen). Bei einer Gluthitze von über 35 Grad im Schatten drangen Karl-Heinz Münster und seine drei Helfer Schicht für Schicht mit ihren Schäufelchen, Spachteln und Besen ins Erdreich vor - behutsam, im Zeitlupentempo, um ja nichts zu beschädigen. Und was sie zutage gefördert haben, hat ihre Erwartungen allemal übertroffen.

"Erstmalig in Baden-Württemberg" wurde laut Karl-Heinz Münster in Holzgerlingen ein Produktionsofen mit vielen Scherben von Gebrauchskeramik entdeckt. "Dass beides zugleich gefunden wurde, ist ein Glücksfall und eine Seltenheit für die mittelalterliche Archäologie." Dass das Ofenbauer- und Töpferhandwerk in Holzgerlingen seit jeher großgeschrieben wurde, weiß man nicht erst seit heute. Viele archäologische Funde aus der Stadtmitte belegen dies - zum Beispiel Keramik vom "Ziegelhof". Auch ein Besuch im Heimatmuseum dokumentiert, dass die Ofenbauer und Töpfer hier von der Antike bis zum späten Mittelalter eine Hochburg hatten. Auch die berühmten Ofenwandplättchen mit ihren Sprüchen sind ein beredtes Zeugnis für die lokale Bedeutung des Töpferhandwerks. Doch der neue Fund ist der bis dato einzige Beleg dafür, dass in Holzgerlingen bereits im Hochmittelalter (10. bis 12. Jahrhundert) gewerbemäßig im großen Stil Keramik produziert wurde.
Für Dieter Schittenhelm, Ehrenvorsitzender des Heimatgeschichtsvereins, ist das "Töpferdorf Holzgerlingen" vor allem auf die ausgezeichneten Tonerden zurückzuführen, die hier abgebaut werden konnten: Berühmt sind die Lehmvorkommen im Gaigelwasen und im Schmollenrain.

Inzwischen wurde die Fundstelle wieder eingeebnet, der mittelalterliche Töpferofen ist wieder verschwunden. Die schönsten Funde vom Grabungsfeld hinter der Alamannen-Apotheke sollen nicht im Zentralarchiv des Landes gebunkert, sondern im Heimatmuseum ausgestellt werden. Eine Zusage vom Land liegt dafür schon vor.

Die emeritierte Professorin für Mittelalterarchäologie, Barbara Scholkmann, die 2007 die Festansprache zum 1000-jährigen Jubiläum hielt, hat sich bereit erklärt, den Heimatgeschichtsverein ehrenamtlich bei der Auswertung und Aufarbeitung des Fundes zu unterstützen.

 
 
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